Rückschau zur „Postgeschichte live“ in Ulm 2022

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der Postgeschichte,
der Neustart der Internationalen Briefmarkenbörse in Ulm ist in idealer Weise gelungen. Die bereits im Vorfeld entwickelte Zuversicht war nicht unbegründet: volle Messehallen vom ersten Tag an, zufriedene Gesichter bei Messemachern und Handel und ein Publikum, dass offensichtlich die Sehnsucht nach Philatelie zum Anfassen in der gewünschten Art und Weise gestillt bekam …
Veränderungen bringen Chancen – diese Formel trifft in besonderem Maße auf die Veranstaltungen bei der Neuauflage der Internationalen Briefmarkenbörse in Ulm wie auch der „Postgeschichte live“ in Ulm zu. An der ein oder anderen kleineren Stellschraube wird für die Zukunft noch zu drehen sein, doch die allermeisten die dort waren, haben richtig Lust auf mehr bekommen …
Drei Jahre hatte die Delegation der Belgischen Akademie für Philatelie auf ihre Teilnahme an der „Postgeschichte live“ warten müssen. Doch allem Anschein nach hatte der Besuch in Ulm viel Freude bereitet wie die Fotos vom Begrüßungsabend in einem historischen Ulmer Brauhaus belegen.
Der DASV-Festabend im etwas außerhalb gelegenen Hotel Seligweiler erfuhr einen großen Zuspruch. Knapp 90 Gäste, darunter Teilnehmer aus neun verschiedenen Nationen. So etwas hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Die Teilnahme von Peter Cockburn, dem Präsidenten der Royal Philatelic Society London zeigt darüber hinaus, welche Wertschätzung und welches Interesse der Internationalen Briefmarkenbörse bzw. der „Postgeschichte live“ in Ulm auch auf der anderen Seite des Ärmelkanals entgegengebracht wird.
Nach langer Durststrecke bot der DASV-Festabend endlich den gebührenden Rahmen für die Verleihung der bedeutenden SAVO-Plakette 2020 an Werner Schindler und der SAVO-Plakette 2021 an Karlfried Krauß. Nicht zuletzt sorgte Singer-Songwriter Dejan Perica für dezente Unterhaltung und für die gewünschte Wohlfühlatmosphäre.
Das Symposium der „Postgeschichte live“ hatte ein breites Spektrum im Angebot: mit Briefpost der Thurn & Taxis führte uns Prof. Dr. Mark Bottu aus Belgien zurück bis ins 16. Jahrhundert, Dr. Heinrich Conzelmann erläuterte ebenso gekonnt Maßnahmen zur Beschleunigung des transatlantischen Postverkehrs mit den USA vor 1900 und last but not least wusste BDPh-Präsident Alfred Schmidt mit Auslandsbriefen von Preußen zur Markenzeit zu interessieren.
Der mit 250 € dotierte DASV-Literaturpreis 2022 ging an Jürgen Herbst für sein „epochales Werk“ Handbuch der sächsischen Frankomarken sowie deren Entwertungen. À propos Literaturpreis: bei der vierten Auflage der ArGe-Literaturausstellung in Verbindung mit dem mit jeweils 250 € dotierten Rauhut-Förderpreis für Literatur war der DASV erneut erfolgreich – und zwar mit zwei ersten Plätzen in der Kategorie „Printliteratur – Zeitschriften“ wie auch in der Kategorie „Elektronische Literatur – Websites“.
Ist das nicht ein phantastisches Ergebnis? Allen die hierzu ihren Beitrag geleistet haben mein Dankeschön und meine Anerkennung. Dies gilt ebenso unserem Mitglied Jürgen Herbst zum Gewinn des DASV-Literaturpreises wie auch allen Gewinnern der begehrten goldenen, silbernen und bronzenen Posthörner, waren doch ausgesprochen hochklassige Exponate am Start, welche es der Jury nicht immer leicht gemacht hatten.
Herzliche Grüße,
Klaus Weis

























meinschaft Sachsen im Bund Deutscher Philatelisten. Sein Interesse für die klassische Philatelie wird durch die väterliche Sachsensammlung geweckt. Bereits in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann Vater Horst Knapp (1918 – 1984) gezielt eine Sammlung aufzubauen, die international preisgekrönt wurde. Seine Sammlung bestach durch Proben, Essays, die größten Einheiten, Ersttagsbriefe, Auslandsfrankaturen weltweit, Telegramme und andere einzigartige Besonderheiten. Darüber hinaus gilt Horst Knapp als einer der Wegbereiter der modernen Postgeschichte. Der Name Knapp und das Sammelgebiet Sachsen sind untrennbar miteinander verbunden. Nach dem Tod des Vaters führt Arnim Knapp die Sammlung mit nicht minderem Enthusiasmus weiter. Ein Schwerpunkt ist das Thema der Vereinheitlichung und damit einhergehend Vereinfachung der europäischen Post mit der Schweiz und deren Beförderung über die Alpenpässe, den italienischen Staaten, Frankreich und Großbritannien. Sein Vortrag widmet sich einer besonders seltenen postalischen Verwendungsart des Königreiches Sachsen – Streifbandsendungen und Drucksachen aus Sachsen in die Schweiz, vice-versa und im Transit durch die Schweiz.
Auch Jürgen Herbst ist Briefmarkensammler seit seinem 6. Lebensjahr. Er konzentriert sich seit Ende der 1960er Jahre auf das Sammelgebiet Alt-Sachsen mit den Schwerpunkten Drucktechnik, Postgeschichte und Stempelkunde. Und um besonders spannende Stempel Sachsens geht es in seiner Präsentation – nämlich die vermutlich ältesten deutschen Sonderstempel. Zumindest gelten die beiden philatelistisch im Vordergrund stehenden „Sonderstempel“ als älteste ihrer Art. Gesprochen wird in diesem Zusammenhang auch von „Gelegenheits-“ oder „Zusatzstempeln“. Zweifelsfrei erwiesen ist, dass sie in Postexpeditionen auf den jeweiligen Festplätzen verwendet wurden. Nicht nachgewiesen und deshalb neuerdings umstritten ist die potenzielle Veranlassung ihrer Herstellung durch die sächsische Postverwaltung. Das allerdings haben sie gemeinsam mit der Mehrzahl aller von sächsischen Postanstalten benutzten Stempelgeräten. Der Vortrag von Jürgen Herbst beschäftigt sich aber nicht nur mit der Frage der privaten oder postalischen Veranlassung dieser Stempel, sondern setzt einen Schwerpunkt auch auf die seinerzeitige Bedeutung der beiden Großereignisse, die überhaupt erst zum Gebrauch dieser Stempel geführt hatten.
– die Associazione Italiana di Storia Postale (AISP), die italienische Vereinigung für Postgeschichte. Angelo Teruzzi wohnt seit 1986 in Mailand, wo er umgehend begann, die philatelistischen Zirkel des AISP zu besuchen. Dabei begeisterte er sich sofort für die Sammlung von postalischen und philatelistischen Dokumenten der alten italienischen Staaten. Seine besondere Begeisterung galt dabei dem Königreich Lombardei-Venetien und dem Königreich Sardinien – Staaten, die das Thema seiner Hauptsammlung wurden. Sein in englischer Sprache gehaltener Vortrag “The postal relations between the Kingdom of Sardinia and the Austrian Empire 1844-1861” wird sich vor allem mit den weniger bekannten Aspekten der verschiedenen Abkommen befassen, die den Austausch von Korrespondenz zwischen den beiden Staaten ermöglichten und durch die die Weiterleitung oder die Ankunft von Korrespondenz im Ausland oder aus dem Ausland ermöglicht wurde. Zusätzlich zu den Briefen werden verschiedene Postdokumente präsentiert, wie Drucksachen, Einschreibebriefe und unzureichende Porti, Telegramme, Beschwerden, Briefe aus dem benachbarten Umkreis mit ermäßigtem Tarif und Briefe der vorübergehenden Besetzung des so genannten „Oltre Po mantovano“.












