{"id":1558,"date":"2021-12-10T14:01:12","date_gmt":"2021-12-10T14:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/?page_id=1558"},"modified":"2021-12-10T14:03:30","modified_gmt":"2021-12-10T14:03:30","slug":"von-der-brief-paket-geld-und-reisepost","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/altbriefkunde\/von-der-brief-paket-geld-und-reisepost\/","title":{"rendered":"Von der Brief-, Paket-, Geld- und Reisepost"},"content":{"rendered":"<h3>Eine kurze Einf\u00fchrung \u00fcber die verschiedenen Dienstzweige der Post<\/h3>\n<p>von Robert F\u00fcrbeth<\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigt sich der postgeschichtlich interessierte Sammler mit Tarifen, Portostufen, Leitwegen oder Destinationen, so steht unweigerlich der Brief im Mittelpunkt des Betrachters. Dies ist jedoch\u00a0 in vielen F\u00e4llen zu kurz gedacht, denn der Auftrag der Post bestand neben der Bef\u00f6rderung von Briefen auch darin, Waren, Gelder oder Personen zu transportieren. Jede dieser postalischen Dienstleistungen stand nebeneinander und folgte unterschiedlichen Regelungen und Betriebsabl\u00e4ufen und durchlief folglich unterschiedliche Entwicklungen. Der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei noch die sog. Bankpost erw\u00e4hnt, die jedoch tats\u00e4chlich au\u00dferhalb des philatelistischen Interesses steht, da sie nichts anderes darstellt, als das klassische Bankgesch\u00e4ft so wie die anderen Banken auch.<\/p>\n<p>Blicken wir zur\u00fcck in die Anfangszeit des Postwesens: Da existierte die Reitpost, bei der ein einzelner Reiter mit seinem Pferd von Station zu Station nur eine beschr\u00e4nkte Menge Postgut bef\u00f6rdern konnte und zwar meist Briefe in einer Art Sack, dem sogenannten Felleisen. Schwerere oder gr\u00f6\u00dfere G\u00fcter mussten auf anderem Weg, n\u00e4mlich mit fahrenden Wagen bef\u00f6rdert werden, der sog. Fahrpost. Der Fahrpost anvertraut wurden auch alle Dinge von Wert, da bei den damaligen unsicheren Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen die Reiter sonst einer zu gro\u00dfen Gefahr ausgesetzt gewesen w\u00e4ren. Zusammengefasst l\u00e4sst sich sagen: \u201eSchnelligkeit = Reitpost = Brief\u201c und \u201eGewicht\/Wert = Fahrpost = Waren\u201c. Eine weitere Option der sicheren und schnellen Bef\u00f6rderung von Postsendungen jeder Art kam erst hinzu, als Postgut unabh\u00e4ngig von seiner Art mit der Eisenbahn bef\u00f6rdert werden konnte. Man versandte nun Pakete; der Begriff Fahrpost blieb jedoch bis zum Ende des 19. Jahrhundert dem allgemeinen Sprachgebrauch verhaftet: demzufolge wurden die einschl\u00e4gigen Pakettarife immer noch Fahrposttarif genannt. Die Unterscheidung zwischen der Brief- und Fahrpost war f\u00fcr die Postverwaltungen auch insofern von Bedeutung, als die Post f\u00fcr den Verlust von Briefen in der Regel nicht haftete, sehr wohl aber bei Verlust oder Besch\u00e4digung von Paketen oder Wertsendungen Ersatz in nicht unerheblicher H\u00f6he zu leisten hatte.<\/p>\n<p>Der Briefumschlag, wie wir ihn heute kennen, war fr\u00fcher nicht bekannt. Er wurde erst in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erfunden. Vor dieser Zeit wurde der aus einem Blatt Papier bestehende Brief einfach zusammengefaltet; die Adresse schrieb man auf den gefalteten Briefbogen und \u00fcbergab ihn versiegelt oder unversiegelt der Post. Demgegen\u00fcber mussten Waren gut verpackt sein \u2013 daher auch der Name Paket \u2013, um vor Besch\u00e4digung oder dem Herausfallen der Waren gesch\u00fctzt zu sein. Die Adresse des Empf\u00e4ngers schrieb man nur selten auf das Paket selbst. Wesentlich gebr\u00e4uchlicher bzw. zum Teil zwingende Vorschrift war die Beigabe einer Paket-Begleitadresse, auf der neben dem Empf\u00e4nger- und Absendernamen, die Adresse, das Gewicht, der Wert und sonstige Angaben gemacht werden mussten, die im \u00fcbrigen auch fiskalischen Zwecken dienen konnten, wie z.B. bei der Berechnung von Eingangsz\u00f6llen.<\/p>\n<p>Zur <strong>Briefpost<\/strong> geh\u00f6ren grunds\u00e4tzlich alle Briefe, jegliche Arten von Drucksachen, der Zeitungsversand, &#8222;Muster ohne Wert&#8220;-Sendungen, Warenproben, Gesch\u00e4ftspapiere, Wertbriefe, Postkarten, Blindensendungen, Gerichtsurkunden und zwar immer bis zu einem bestimmten <u>Maximalgewicht<\/u>. In der Festsetzung der H\u00f6he des Maximalgewichts war jede Postverwaltung frei; bis maximal 4 Loth war jedoch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die Regel. Im Vertrag zur Gr\u00fcndung des Deutsch-\u00d6sterreichischen Postvereins (DP\u00d6V) , g\u00fcltig ab dem 1. Juli 1850, wird die Zuordnung zur Briefpost wie folgt festgelegt:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Zur Briefpost sind zu rechnen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>gew\u00f6hnliche und rekommandierte Briefe ohne angegebenen Werth, bis<\/em><em> zum Gewichte von 4 Loth Zollgewicht excl.\u00a0<\/em><\/li>\n<li><em>schwerere Briefe ohne angegebenen Wert, wenn der Absender die Bef\u00f6rderung mit der Briefpost ausdr\u00fccklich verlangt hat;<\/em><\/li>\n<li><em>Briefe mit angeh\u00e4ngten Waren-Proben (Mustern) bis<\/em><em> zum Gewichte von 16 Loth Zoll-Gewicht excl.\u00a0<\/em><\/li>\n<li><em>Kreuzband-Sendungen bis 4 Loth <\/em><em>excl.\u00a0<\/em><\/li>\n<li><em>Laufzettel und\u00a0<\/em><\/li>\n<li><em>Zeitungen<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Nachfolgend zwei Belege:<\/p>\n<div id=\"attachment_1559\" style=\"width: 596px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1559\" class=\"wp-image-1559\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-1030x781.jpg\" alt=\"\" width=\"586\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-1030x781.jpg 1030w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-300x227.jpg 300w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-768x582.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-1536x1164.jpg 1536w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-1500x1137.jpg 1500w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief-705x534.jpg 705w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B01_FP-als-Brief.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><p id=\"caption-attachment-1559\" class=\"wp-caption-text\">Brief mit 4 \u00bd Loth Gewicht und dem handschriftlichen Vermerk links unten \u201eBriefpost\u201c.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_1560\" style=\"width: 465px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1560\" class=\"wp-image-1560\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-681x1030.jpg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"688\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-681x1030.jpg 681w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-198x300.jpg 198w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-768x1162.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-1016x1536.jpg 1016w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-992x1500.jpg 992w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief-466x705.jpg 466w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B02_FP-als-Brief.jpg 1327w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><p id=\"caption-attachment-1560\" class=\"wp-caption-text\">Nachforschung (= Laufzettel) f\u00fcr ein Fahrpostst\u00fcck von Kirchdorf in \u00d6sterreich nach G\u00f6rlitz; Geb\u00fchr wie Brief = 9 Kr.; (Marke innseitig; zu Dokumentations-zwecken hier auf der Vorderseite mitabgebildet.)<\/p><\/div>\n<p>Der n\u00e4chste postalische Meilenstein war die Gr\u00fcndung des Allgemeinen Postvereins, sp\u00e4ter Weltpostverein genannt, zum 1. Juli 1875: <em>\u201e 1) Der Briefpostverkehr umfa\u00dft: die Briefe, Korrespondenzkarten, B\u00fccher, Zeitungen und andere Drucksachen, sowie die Waarenmuster und Gesch\u00e4ftspapiere \u2026 3) Das Maximalgewicht betr\u00e4gt f\u00fcr Waarenmuster 250 Gramm, f\u00fcr alle anderen Gegenst\u00e4nde 1000 Gramm<\/em>.\u201c H\u00f6here Gewichte mussten mit der Fahrpost bef\u00f6rdert werden. Die Entwicklung im grenz\u00fcberschreitendem Briefpostverkehr entwickelte sich weiter: zu Beginn des Jahres 1899 war die Gewichtsbeschr\u00e4nkung bei Briefen bereits ganz gefallen, bei Drucksachen und Gesch\u00e4ftspapieren betrug sie weiterhin 250g, bei Warenmustern 350g und zus\u00e4tzlich konnten mittlerweile auch Wertbriefe, Wertschachteln und Nachnahmen mit der Briefpost versandt werden (dies freilich nur bis zu bestimmten Maximalbetr\u00e4gen bzw. -abmessungen).<\/p>\n<p><strong>Fahrpost\/Paketpost: <\/strong>Der Fahrpost wurde der Transport jeglicher Waren, Geldsendungen und solche Gegenst\u00e4nde der Briefpost zugerechnet, die die o.g. Maximalgewichte \u00fcberschritten sowie in Preu\u00dfen \u00a0ab 1848 auch die Bar-Einzahlung als Vorl\u00e4ufer der Postanweisungen. Die Nachvollziehbarkeit der Fahrpost-Tarifgeb\u00fchren, wie sie auf den entsprechenden Begleitpapieren vermerkt sind, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar. Jedes Postgebiet hatte, wie bei der Briefpost, seinen eigenen Fahrposttarif: das Dezimalsystem fand auf deutschem Boden noch keine Anwendung; die Entfernung und das Gewicht, welche die Basis f\u00fcr die Berechnung der Porti darstellten, also die Meile und das Loth Gewicht waren von Land zu Land unterschiedlich. Um diese Komplexit\u00e4t zu handhaben, wurden den Postbeamten \u201eellenlange\u201c Gewichts-Vergleichstabellen zur Hand gegeben. Zus\u00e4tzlich legte jede Postverwaltung ihrem Fahrposttarif einen anderen Porto-Berechnungsmodus zu Grunde. Erst im Deutsch-\u00d6sterreichischen Postverein fand eine gewisse Vereinheitlichung und Vereinfachung statt: Die Gewichtstaxe errechnete sich aus der Entfernung (abgestuft je 5 Meilen), dem Gewicht in Pfund, einer Grundtaxe je Pfund und Entfernungsstufe und einem Minimalporto. F\u00fcr die Berechnung der Entfernung wurde das Gebiet des Deutsch-\u00d6sterreichischen Postvereins bildlich gesehen mit einem quadratischen Maschennetz der Kantenl\u00e4nge zu je 4 Meilen \u00fcberzogen (Taxquadrate), um so die Entfernung von Ort zu Ort bzw. genauer gesagt, von Taxquadratmittelpunkt zu Mittelpunkt errechnen zu k\u00f6nnen. Soweit es sich um Wertsendungen handelte, mussten zum Gewichtsporto noch die jeweiligen Wertversicherungsgeb\u00fchren addiert werden, deren Berechnung ebenfalls auf Basis von Entfernung und Wert erfolgte (bis 50 Meilen: je 100 Thaler 1 Sgr. bzw. je 100 Gulden 2 Kr. und \u00fcber 50 Meile\u00a0 je 100 Thaler 2 Sgr. bzw. je 100 Gulden 4 Kr.). Zusammengefasst: f\u00fcr den Philatelisten eine kaum noch nachvollziehbare Rechnerei. Im Postverkehr mit dem Ausland steigerte sich die diese Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Um hier Abhilfe zu schaffen, konnten Absender \u2013 wenn sie alle anfallenden Kosten selbst tragen wollten \u2013 einem Paket einen sog. Frankozettel beigeben, mit dem sich der Absender gegen\u00fcber der absendenden Postanstalt verpflichtete, alle notwendigen Geb\u00fchren zu \u00fcbernehmen. Auf dem Frankozettel wurden alle anfallenden Geb\u00fchren, auch fiskalische wie z.B. Zollgeb\u00fchren, aller beteiligten Postverwaltung vermerkt, zusammenaddiert, dem absendenden Postamt zur\u00fcckgemeldet, das dann den Gesamtbetrag vom Absender einzog und ausl\u00e4ndische Porti zur\u00fcckverg\u00fctete.<\/p>\n<div id=\"attachment_1561\" style=\"width: 472px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1561\" class=\"wp-image-1561\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-757x1030.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-757x1030.jpg 757w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-220x300.jpg 220w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-768x1045.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-1128x1536.jpg 1128w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-1102x1500.jpg 1102w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief-518x705.jpg 518w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B03_FP-als-Brief.jpg 1271w\" sizes=\"auto, (max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><p id=\"caption-attachment-1561\" class=\"wp-caption-text\">Beispiel eines Franko-Zettels aus der Schweiz, 1857 \u2013 der D\u00d6PV existierte schon 7 Jahre! \u2013 nach Hamburg. Das Gesamtporto addierte sich aus 11 (!) \u00a0einzelnen Geb\u00fchren auf insges. 6,55 Franken.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen Modernisierungsschub brachte der revidierte Postvereinsvertrag des D\u00d6PVs ab 1.Juli 1858: \u00a0Entfernungen bis 20 Meilen wurden in direkter Entfernung von Ort zu Ort berechnet und f\u00fcr Orte \u00fcber 20 Meilen kam ein neues Taxquadratsystems zur Anwendung, das im Prinzip bis 1964 (!) Bestand hatte.<\/p>\n<p>Im grenz\u00fcberschreitenden, internationalen Fahrpostverkehr potenzierte sich die Berechnungsproblematik: inl\u00e4ndische Porti + ausl\u00e4ndische Porti, wobei das ausl\u00e4ndische Postgebiet gem\u00e4\u00df abgeschlossener Postvertr\u00e4ge in Entfernungsstufen eingeteilt wurde, jeweils gerechnet ab fix vereinbarter Taxgrenzpunkte und diese mit einem Progressionssatz f\u00fcr das Gewicht multipliziert wurden. Hierzu benutzten sie Postbeamten umfangreiche Ortsverzeichnisse (=Entfernungstabellen) je Land.<\/p>\n<div id=\"attachment_1562\" style=\"width: 751px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1562\" class=\"wp-image-1562\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-1030x634.jpg\" alt=\"\" width=\"741\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-1030x634.jpg 1030w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-300x185.jpg 300w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-768x473.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-1536x945.jpg 1536w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-1500x923.jpg 1500w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief-705x434.jpg 705w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B04_FP-als-Brief.jpg 1828w\" sizes=\"auto, (max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><p id=\"caption-attachment-1562\" class=\"wp-caption-text\">Begleitadresse aus St. Gallen in den \u00f6sterreichischen Grenzrayon nach Lautrach mit Wert und Nachnahme!; Gewicht 830g:\u00a0 gemeinschaftlicher schweizerisch-\u00f6sterreichischer Gewichtstarif bis 5kg im Grenzrayon 50 Rappen + Schweizer Mindestnachnahmeprovision Fahrpost 30 Rappen + Schweizer Wertversicherung bis 100 Fr.\u00a0 5 Rappen + \u00f6sterreichische Wertversicherung bis 375 Franken\u00a0 15 Rappen = insgesamt 1 Franken<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere wesentliche Verbesserung brachte ab Oktober 1881 der Versand von Postst\u00fccken. Postst\u00fccke waren per Definition Sendungen, die anf\u00e4nglich keine Wertangabe trugen, nicht mit Nachnahme belastet waren, das Gewicht von 3kg nicht \u00fcberschritten, in keiner Richtung die Abmessung von 60cm \u00fcberschritten und zwingend vom Absender vorausfrankiert werden mussten. F\u00fcr Postst\u00fccke wurde eine eigene, stark erm\u00e4\u00dfigte Gesamttaxe erhoben. Postst\u00fccke existierten neben Fahrpostst\u00fccken.<\/p>\n<p>In das Jahr 1848 fallen die Anf\u00e4nge eines neuen Dienstes im preu\u00dfischen Postwesen, n\u00e4mlich die unbare Geld\u00fcberweisung mittels Barzahlungsbrief als Vorl\u00e4ufer der Postanweisungen. Bayern folgte 1851, W\u00fcrttemberg 1852. Ab 1. Juli 1852 wurde das Verfahren allgemein auf den ganzen Deutsch-\u00d6sterreichischen Postverein ausgedehnt. Nachnahmen wurden ebenfalls anf\u00e4nglich ausschlie\u00dflich der Fahrpost zugeordnet.<\/p>\n<p>Innerhalb des Postvereins duften Fahrpostsendungen anf\u00e4nglich nicht mit Freimarken frankiert werden, d.h. w\u00fcnschte der Absender die Vorausfrankierung, war die die Barfrankatur zwingend vorgeschrieben (anders innerhalb des eigenen Postbezirks, z.B. Preu\u00dfen). Zus\u00e4tzlich existieren spezielle Fahrpoststempel.<\/p>\n<p>Unter der <strong>Geldpost<\/strong> werden diejenigen Postsendungen verstanden, mit denen Inkasso oder Zahlungsgesch\u00e4fte get\u00e4tigt wurden. Zur Geldpost geh\u00f6ren demnach Nachnahmen (auch Postvorsch\u00fcsse genannt), Bareinzahlungen, Postanweisungen und Postauftr\u00e4ge. Inkassogesch\u00e4fte konnten je nach Festlegung der einzelnen Postverwaltungen und in Abh\u00e4ngigkeit bestimmter Wertgrenzen, entweder durch die Brief- oder durch die Fahrpost bewerkstelligt werden: die \u00fcbergeordnete begriffliche Klammer bleibt jedoch immer die Geldpost.<\/p>\n<p>In das Jahr 1848 fallen die Anf\u00e4nge eines neuen Dienstes im deutschen Postwesen, n\u00e4mlich die unbare Geld\u00fcberweisung mittels Barzahlungsbrief, amtlich \u201e<u>baare Einzahlung<\/u>\u201c genannt, mit der die Post f\u00fcr Privatpersonen die Annahme und Auszahlung kleinere Geldbetr\u00e4ge besorgte. Als Entgelt f\u00fcr diese Dienstleistung verlangte die preu\u00dfische Post \u00bd Silgergroschen je Thaler. Dieses System wurde ebenfalls in den D\u00d6PV \u00fcbernommen.\u00a0 Ab 1. Juli 1866 wurde innerhalb des Deutsch-\u00d6sterreichischen Postvereins beschlossen, dass schwerf\u00e4llige und auf 50 Thaler beschr\u00e4nkte Verfahren der baaren Einzahlung durch ein neues System, die <u>Postanweisungen<\/u> zu ersetzen. Hierzu wurden eigene Formulare in Kartonform gedruckt und das ganze Verfahren der Briefpost zugeordnet. Die Postanweisungskartons wurden anf\u00e4nglich ohne eingedruckten Wertzeicheneindruck verausgabt, d.h. die Frankierung musste mittels Freimarken erfolgen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1563\" style=\"width: 738px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1563\" class=\"wp-image-1563\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-1030x610.jpg\" alt=\"\" width=\"728\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-1030x610.jpg 1030w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-300x178.jpg 300w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-768x455.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-1536x910.jpg 1536w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-1500x888.jpg 1500w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief-705x418.jpg 705w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B05_FP-als-Brief.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><p id=\"caption-attachment-1563\" class=\"wp-caption-text\">Eine nachgesandte Postanweisung aus Lauterburg (Preu\u00dfen) nach Sachsen, 1865; in Lauterburg versehentlich als Postanweisung angenommen, im Postverein aber noch nicht zul\u00e4ssig: hilfsweise in eine Bareinzahlung umgearbeitet.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_1564\" style=\"width: 678px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1564\" class=\"wp-image-1564\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B06_FP-als-Brief-1030x846.jpg\" alt=\"\" width=\"668\" height=\"548\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B06_FP-als-Brief-1030x846.jpg 1030w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B06_FP-als-Brief-300x247.jpg 300w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B06_FP-als-Brief-768x631.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B06_FP-als-Brief-705x579.jpg 705w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B06_FP-als-Brief.jpg 1274w\" sizes=\"auto, (max-width: 668px) 100vw, 668px\" \/><p id=\"caption-attachment-1564\" class=\"wp-caption-text\">Postanweisungsformular (Karton), 1867 aus Hamburg nach: 50 Thaler zur Auszahlung am Empf\u00e4ngerpostamt\u00a0(Abb. H. K\u00f6hler Auktion)<\/p><\/div>\n<p><u>Nachnahmen<\/u> konnten in den deutschen Staaten anf\u00e4nglich ebenfalls nur mit der Fahrpost bef\u00f6rdert werden. Hierzu wurde eine Nachnahmegeb\u00fchr eingef\u00fchrt, in Deutschland bis 1878 auch unter dem Begriff \u201eVorschuss- oder Prokurageb\u00fchr\u201c gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><u>Postauftragsdienst<\/u>: Der Nachnahme verwandt ist das Postmandat bzw. ab 1875 Postauftrag genannt. Sowohl Nachnahmen als auch Postauftr\u00e4ge bezweckten das Inkasso von Geldbetr\u00e4gen durch die Post; w\u00e4hrend Nachnahmen gleichzeitig Mitteilungen des Absenders oder Waren beigegeben werden konnten, umfasste der Postauftrag nur das Inkasso\/den Forderungseinzug. Hierzu wurde ein Formular (Postauftrag) ausgef\u00fcllt und mit der Forderung (Rechnung, quittierter Wechsel etc.) zusammen in einem verschlossenen Couvert an diejenige Postanstalt gesendet, die den Betrag einzutreiben hatte. Konnte die Postanstalt den Betrag eintreiben, wurde er dem Absender per Postanweisung unter Abzug der \u00fcblichen Postanweisungsgeb\u00fchren zugesandt. Andernfalls wurde der Postauftrag kostenlos zur\u00fcckgesandt. Ab dem 25. Dez. 1873 konnte der Postauftrag nach vergeblicher Vorzeigung kostenlos auch sofort zum Protest an einen Notar oder Gerichtsvollzieher weitergesandt werden. Auf dem Weltpostkongress von Lissabon (1885) wurde auf international breiterer Basis das \u201e\u00dcbereinkommen betreffend Einf\u00fchrung des Postauftragsverfahrens\u201c vereinbart, dem sich anf\u00e4nglich nur Deutschland, \u00d6sterreich-Ungarn, Frankreich, Italien und die Schweiz anschlossen.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckseite des Formulars konnte f\u00fcr Vermerke des Absenders oder der Post verwendet werden. Weiterhin befanden sich dort Hinweise zum Verfahren und \u00fcber den maximal zul\u00e4ssigen H\u00f6chstbetrag in diesem Verfahren (ab 1 875 600 Mark). Die Geb\u00fchr betrug 30 Pfennig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1565\" src=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B07_FP-als-Brief.jpg\" alt=\"\" width=\"517\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B07_FP-als-Brief.jpg 945w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B07_FP-als-Brief-300x238.jpg 300w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B07_FP-als-Brief-768x610.jpg 768w, https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Fuerbeth_Briefpost_B07_FP-als-Brief-705x560.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 517px) 100vw, 517px\" \/><\/p>\n<p>Unter der <strong>Reisepost<\/strong> versteht man allgemein die Bef\u00f6rderung von Personen in Postkutschen. Sie wird heute noch in moderner Form in einigen Nachbarl\u00e4ndern als Postbus betrieben.\u00a0 Durch den Ausbau des Einbahnverkehrsnetzes wurde die Reisepost f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Entfernungen unbedeutend, f\u00fcr den Philatelisten interessant sind jedoch die grafisch oftmals h\u00fcbsch anzuschauenden Post-Passagier-Billets oder Eilwagenquittungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Literaturhinweis<\/h3>\n<p>Zum Thema Fahrpost: Christian H\u00f6rter, \u201eFahrpost in Deutschland 1808 \u2013 1923 unter besonderer Beachtung von Bayern und Preu\u00dfen\u201c; N\u00fcrnberg, 1992<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kurze Einf\u00fchrung \u00fcber die verschiedenen Dienstzweige der Post von Robert F\u00fcrbeth Besch\u00e4ftigt sich der postgeschichtlich interessierte Sammler mit Tarifen, Portostufen, Leitwegen oder Destinationen, so steht unweigerlich der Brief im Mittelpunkt des Betrachters. Dies ist jedoch\u00a0 in vielen F\u00e4llen zu kurz gedacht, denn der Auftrag der Post bestand neben der Bef\u00f6rderung von Briefen auch darin, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":220,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1558","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1558","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1558"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1558\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dasv-postgeschichte.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1558"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}