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Kleine Postgeschichten 022
Drei unterschiedliche Gewichtsstufen auf einem Brief nach Batavia
Zum Hintergrund:
Korrespondenzen aus dem Großherzogtum Baden nach Ostasien bzw. Australien gehören zu den absoluten Destinationsraritäten dieses Sammelgebietes. Alle fünf bislang bekannten Belege liefen ausnahmslos auf der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Postroute via Marseille  und der anschließenden „Overland-Verbindung“ zwischen Mittel- und Rotem Meer über Ägypten, welche die zuvor erforderliche zeitaufwendige Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung ersetzte.

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Tarifliche Behandlung:
Dieser zunächst unzureichend frankierte Briefpostbeleg nach Niederländisch Indien aus dem Jahr 1864 lag mit einem Gewicht von knapp über 15 g noch innerhalb der ersten badischen jedoch bereits in der dritten französischen Gewichtsstufe. Korrespondenzen nach den nicht explizit in den badischen Tariflisten ausgewiesenen überseeischen Ländern mussten bis zum betreffenden überseeischen Landungshafen frankiert werden. Folgerichtig wurde der Beleg beim Grenzpostamt in Kehl zurückgewiesen und mit der Aufforderung „ganz zu frankieren“ (1) versehen. Die fehlenden Gebühren mussten bei der Aufgabe-Postanstalt erhoben werden, wonach das Belegstück gemäß dem Teilfrankozwang bis Singapur freigemacht war. Dabei war allerdings abermals ein Fehler unterlaufen: Anstatt des  Verrechnungsstempels „P.D.“ (2) hätte man den „P.P.“-Stempel aufdrücken müssen. Für die letzte Etappe nach Batavia hatte der Empfänger noch 2 x 25 = 50 Cent (3) nach der zweiten niederländischen Gewichtsprogression zu entrichten, denn diese steigerte sich im Gegensatz zur badischen (ca. 15,5 g) und französischen (7,5 g) im 15-g-Schritt.
Badisches Porto  1.Gewichststufe    3 Kreuzer  
Französischer Anteil      
inkl. Seeporto bis Singapur : 3.Gewichststufe   3  x  24   =    72 Kreuzer
Gesamtgebühren     75 Kreuzer
Niederländischer Anteil
(ab Singapur)
2.Gewichststufe   2  x  25 50 Cent
Näheres zur Postroute:
Erstmals in Karlsruhe am 20.10.1864 aufgegeben, wurde der Beleg schließlich am 02.11. via Straßburg nach Marseille geleitet, wo er am 12.11.1864 an Bord des Postdampfschiffes „Ellora“ der britischen PENINSULAR & ORIENTAL STEAM NAVIGATION COMPANY (P & O) ging. Über Malta (14./15.11.) erreichte man am 18.11. Alexandria. Auf dem Landweg ging es dann weiter mit der seit dem 01. Januar 1856 betriebenen Eisenbahn via Kairo nach Suez, wo die Beförderung mit der Overland Mail endete.
In Suez stach die „Nubia“ am 19.11. in See, durchquerte das Rote Meer und erreichte am 25.11. Aden. Nach einem Tag Aufenthalt in der persischen Hafenstadt (26.11.) war am 05.12. Ankunft in Point de Galle / Ceylon. Wiederum mit einem Postdampfschiff der P & O – der „Carnatic“ – ging es am Nikolaustag weiter über Penang / Straits Settlements (12.12.) nach Singapur (14.12.). Hier wurde das Postpaket an die Postbehörden von Niederländisch Indien übergeben. Von Singapur aus brach die „Oenarang“ der CORES DE VRIES Schiffahrts-Gesellschaft am 15.12. zur letzten Etappe nach Batavia auf. Das Ziel in Niederländisch Indien wurde schließlich am 19.12.1864 erreicht.
Zur philatelistischen Einordnung:
Aus dem FA von Wolfgang Flemming BPP: „... Es ist ein Wunder, das ein Brief in eine subtropische Region diesen relativ guten Erhaltungszustand aufweist! ... Als Ganzsache mit einer 22a stellt dieser Beleg „die blaue Mauritius“ der Badenphilatelie dar! ...