Startseite  Pfeil  Übersicht Kleine Postgeschichten Pfeil  Kleine Postgeschichten 008
Kleine Postgeschichten 008
Brief vom 4.März 1851 aus Madras, Indien nach England
Letter dated 4th March, 1851 from Madras to London
Ein interessanter Beleg für die damaligen Zustände in Indien.

Bitte klicken Sie den Brief an, um ihn in voller Größe zu sehen

4.  März 1851
Brief des britischen Soldaten B.Morshead vom 4. Bataillon der Artillerie von St.Thom Mount, Madras, an seine Mutter in London.

Übersetzung des Briefinhalts von Heinz Ohler, Heidenheim:

Liebe Mutter, diesen Monat schreibe ich Dir wieder in der Hoffnung, dass Du meinen letzten Brief erhalten hast, denn bei meinen, augenblicklichen Gesundheitszustand ist es ungewiss, ob ich einen weiteren zu schreiben in der Tage sein werde. Ich bin so fürchterlich schwach, fühle mich so elend, habe keinen Appetit und erleide so viel Schmerzen, dass, falls keine Änderung eintritt, die Natur schließlich ihren Lauf nehmen muss. Ich ging mit Schmerzen in meiner Seite ins Krankenhaus, Mutter, in der Erwartung, der Arzt würde mich heilen. Zu der Zeit war ich ein stattlicher, starker und kräftiger Mann, wusste nicht. was Müdigkeit war. Ich vertraute mich seinen Händen an und dachte, er würde mich heilen - und was tut er - er ermordet mich. Man darf den Anordnungen des Arztes nicht zuwider handeln, man muss einnehmen, was er verschreibt. Ich werde Dir erzählen was er mir angetan hat und es Deinem eigenen Urteil überlassen, ob er die Schuld an meinem Tode hat, sollte ich sterben. Er setzte mir 5 Dutzend Blutegel und ich blutete bis ich in Ohnmacht fiel, hatte 3 Zugpflaster, wurde 7 Nächte lang in kochend heiße Bäder gesteckt bis mir 12 Tage und Nächte der Schlaf geraubt wurde, so dass ich jetzt zu einem Skelett verkommen bin. Ich bekam täglich 4 Dosen Salz und Sennesblätter, und 15 Tage lang alle 2 Stunden 2 Kalomelpillen und ich bin überzeugt, er versuchte mich zu töten, um meinen Körper öffnen und die Krankheit herausfinden zu können. Jeder Soldat, der in Indien stirbt, wird geöffnet und untersucht und wo doch zur Zeit so viele junge Ärzte approbieren, werden die Männer meiner Ansieht nach häufig getötet, um ihnen Einsicht in Krankheiten zu vermitteln.

Leute, die mich zufällig treffen halten inne, schauen und fragen. „Mein Gott Morshead was ist los mit ihnen?“ Tatsache ist, ich bin leichenblass. Falls ich mich jemals erhole, wird es Monate dauern, bevor ich wieder gesund und kräftig bin. Ich sollte noch erwähnen, dass er mir 14 Tage keine Nahrung gab, außer ein bischen trockenes Brot und Tee. Meine liebe Mutter, für einen vernünftigen, gefühlvollen Menschen wie mich ist es furchtbar, im Krankenbett eines Hospitals zu liegen. Niemand außer schrecklichen schwarzen Burschen um dich herum, die größten Schurken die die Welt je hervorgebracht hat und stell Dir vor, keine Mutter oder Schwester oder Ehefrau die mich beruhigt, zu der ich sprechen könnte, und die mir Trost spendet. Niemand, der mir solche Kleinigkeiten bringt, die ein kranker Mensch mag. Nein, hier darf er liegen und sterben, und bevor du vielleicht kalt bist, schlitzt dir der Chirurg mit seinem Messer die Gedärme auf und die schwarzen Burschen waschen dieselben in ……

Oh Mutter, verflucht sei die Stunde und der Tag, an dem ich Soldat wurde. Ich habe soviel Schurkerei. so viel Schlechtigkeit gesehen, dass mir übel wurde und ich mich abwand. Ob wäre ich nur zurück in England, ich wäre glücklich egal wie einfach ich lebte oder mein Brot verdiente, aber ich habe keinen Freund in der weiten Welt, der mir hilft und deshalb muss ich mein unglückliches Schicksal tragen.

Du erwähnst nie, was aus Herrn Simpson geworden ist, noch schreibst Du mir überhaupt welche Neuigkeiten; tatsächlich erhalte ich so wenige Briefe von Dir und Fanny, dass ich zu den Gedanken neige, ihr sorgt Euch keinen Pfifferling um mich. Grüße Fanny herzlich von mir und ich hoffe, es geht ihr gut. Ich hoffe, Gott gibt mir meine Gesundheit wieder zurück und führt uns alle wieder zusammen. In diesem Sinne schließe ich.

Ich grüße Dich, liebe Mutter, herzlichst

Dein B. Morshead

Original:
4.  März 1851
Letter dated 4th March, 1851 from Bombr.B.Morshead, 4th Bat. Artillery, St. Thom Mount, Madras, to his Mother, Mrs. Elizabeth Bolton, No.2 Horbury Terrace, Notting Hill, Baywater, London.

Dear Mother

I write again this month hoping you received the one I sent last, for in my present state of health, it is uncertain whether I shall be able to write another. I am so dreadfully weak und low, no appetite and suffer so much pain, that nature must give way at last, if there is no change, I went into hospital, Mother, with a pain in my side, expecting the doctor would cure me. I was then a fine strong hearty man, did not know what fatigue was. I trusted myself in his hands, thinking he would cure me and what has he done, he has murdered me. You must not disobey the Doctor‘s orders, what he prescribes you must take. I will tell you what he did to me - and leave it to your own judgement whether he has been guilty of my death, should I die. I had five dozen leeches, bled until I fainted, three Blisters, put into hot baths scalding hot for 7 nights, until my sleep was taken away for twelve nights and twelve days, that now I am worn down to skeleton. I had four doses of salt, and senna a day with two calomel pills every two hours for fifteen days, and it is my conviction he tried to kill me, so to open the body and find out the deseases. Every soldier who dies in India is cut open and inspected and where there are such number of young doctors coming out, the men in my opinion are often killed to find them an insight into the desease.

People who happen to meet me stop und look with ,,My God Moorshead, whats the matter with you“. The fact is that I am the colour of a corpse. If ever I do recover it will be months before I get my health and strength restored. I should have mentioned he gave rne no food for 14 days, but a little dry bread and tea. My dear Mother it is dreadful to a sensible feeling man like me to lie upon a bed of sickness in a Hospital. Nothing but a lot of horrible black fellows round you, the greatest villains the world ever produced & think yourself, no Mother or sister or wife to soothe him, none to speak to, none to console. No body to bring any of the little things a sick person likes. No, there he may lie und die, and perhaps before you are cold, the knife of the surgeon has ripped open your bowels and the black fellows are washing them in … Oh mother cursed be the hour und the day that made me a soldier. I have seen so much villainy, so much wickedness, the heart sickened and I turned away, Oh that I was again back in England, however humble I lived or got my bread, I should be happy, but I have no friend in the wide world to assist me, and so must bear my unhappy lot.

You never mention what has become of Mr.Simpson, nor give me any news whatever; in fact I get so few letters from you and Fandy, that I am inclined to think you don’t care a straw about me. Give my love to Fanny and I hope she is well. I hope God will give me my health again und restore us all to each other, so I shall conclude.

I am, Dear Mother
Yours affectionately,
B. Morshead.