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Kleine Postgeschichten 004
Korrespondenz Preussen — England über Frankreich zur Zeit des NDP
Seit dem zweiten preussischen-englischen Postvertrag von 1852 wurde für die Korrespondenz zwischen beiden Ländern fast ausschliesslich der Transitweg über Belgien/Ostende genutzt, zumal 1859 die Gebühr für den einfachen Brief bis 1 Loth auf 5 Silbergroschen ermäßigt wurde. Doch bot der preussisch französische Postvertrag von 1858 den Transitweg über Calais an, was für Absender aus dem Rheinland pro Brief eine Ersparnis von 1 1/2 Sgr. brachte. Denn zur Transitgebühr von 2 1/2 Sgr. für Frankreich und Belgien kam nur 1 Sgr. preussische Gebühr hinzu. Beide Verträge waren auch noch für den Norddeutschen Postbezirk gültig. Allerdings reichte nach dem französischen Vertrag die erste Gewichtstufe nur bis 10 Gramm, also etwa 5 Gramm weniger als beim Versand über Ostende. Das hat der Absender des folgenden Briefes offensichtlich nicht beachtet:

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Brief vom 4.3.1868 aus Köln über Aachen und Calais nach London. Die Frankatur von 3 1/2 Groschen war für die 1.Gewichtstufe zutreffend. Die war aber hier überschritten, was beim Grenzausgang Aachen festgestellt und dem Transitland Frankreich mit dem Stempel "Affranchissement insuffisant" angezeigt wurde. Außerdem erhielt der Brief hier noch den Verrechnungsstempel "P.42.", der ab 1866 für unfrankierte Briefe aus dem Rheinland mit Destination über Frankreich hinaus gültig war. In Frankreich erhielt der Brief von der Bahnpost den Eingangsstempel "Prusse Amb. L.C.A." und dem Dreieckstempel mit dem Verrechnungssatz für England.

Dort wurde aber nur eine Nachgebühr von 1 shilling taxiert.